Seit einigen Monaten versuchte ich, Hans-Josef Wagner zu erreichen, um diesen ausgewiesenen G.H. Mead-Experten für einen Beitrag in einem Sammelband zu Klassikern der Identitätsfoschung zu gewinnen. Ein zurückgekommener Brief, ein offenbar nicht abgehörter Anrufbeantworter, ausbleibende Reaktionen auf Mails – Wagner schien extrem schwer erreichbar, was für einen Privatdozenten recht ungewöhnlich ist. Auch Kollegen und Verlage konnten mir nicht weiterhelfen.
Auf der gestrigen Mitgliederversammlung des DGfE-Kongresses fanden wir schließlich zu unserer großen Betroffenheit seinen Namen auf der Liste der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder. Hans-Josef Wagner ist im Alter von 57 Jahren verstorben. Ich möchte an dieser Stelle einen ersten Beitrag zum Gedenken an unseren Kollegen leisten, zudem aber auch in dieser medialen Form dafür sorgen, dass andere, die etwa wie ich im Web nach PD Dr. Hans-Josef Wagner suchen, hier von seinem Ableben erfahren.
Ich kannte Wagner nicht persönlich, war jedoch von seinen Arbeiten zu George Herbert Mead – so etwa seine Habilitation „Strukturen des Subjekts“ – in hohem Maße beeindruckt. Seine (zunehmend) der Objektiven Hermeneutik verpflichteten Arbeiten zeichnen sich durch theoretischen Bezugsreichtum, durch Tiefe und gedankliche Gründlichkeit aus – Eigenschaften, die im schnellebigen Publikationsbetrieb heutiger Tage eher selten geworden sind.
Wagners Anliegen war es, eine „neue systematische Theorie der Sozialisations- bzw. Bildungsprozesse des Subjekts zu entwerfen “ (so schreibt er im zweiten Band seines Entwurfs einer „Strukturalen Sozialisationstheorie“). Statt einer Diskussion mit dem Autor wird es uns nun überlassen sein, sein theoretisches Vermächtnis zu sichten und zu würdigen.
auf der Website von Benjamin Jörissen, Erziehungs- wissenschaftler und Medienforscher, Universität Magdeburg.
Die Nachricht über den Tod von Hans-Josef Wagner macht mich ebenfalls sehr betroffen. Ich las Ihren Nachruf während einer Internet-Suche zu möglicherweise neu erschienenen Publikationen Wagners. Seine Werke zur Bildung des Subjekts, zur Strukturalen Sozialisationstheorie und übrigens auch zum Bildungsbegriff Humboldts sind mir sehr wichtig geworden und ich war gespannt auf die Weiterentwicklung seiner Theoriebildung. Auch für die Begründung der Objektiven Hermeneutik hat dieser Autor m.E. Bedeutendes geleistet.
Schön, dass Sie diesen Nachruf geschrieben haben.
Axel Foeller-Mancini, M.Ed.