Bloomstreet.net, der angebliche MySpace-Konkurrent: "egal, aber machen!"

Tja, was soll man dazu sagen: Der Erfolg von MySpace und Facebook bzw. StudiVZ hat sich, mit ganz leichter Verzögerung, anscheinend bis zu den Bertelsmann-Managern herumgesprochen. Das Ergebnis ist “Bloomstreet”, der wohl (hoffentlich) letzte Versuch, einen völlig phantasielosen (*) MySpace-Klon in den überfüllten Markt zu drücken. Offiziell wird das ganze natürlich nicht von einem Altherrenverein, sondern von einem superdynamischen 15-köpfigen Berliner Startup namens W/Rite gelauncht, das leider offenbar noch keine Zeit hatte, sich eine Web-Präsenz anzulegen. “Die genaue Summe, die die New Yorker Tochter des Gütersloher Medienunternehmens in die Plattform investiert hat, ist Geheimsache“, na klar doch …

Alles an diesem Service weist darauf hin, dass ein Haufen ahnungsloser älterer Herren einen Haufen Geld an eine ebenso ahnungslose Agentur gegeben hat. Den Animationstext auf der Startseite muss man sich auf der Zunge zergehen lassen (s. Screenshots rechts).

“bloomstreet ist am Start. Suchen, finden, bloggen, mashen, posten…
egal, aber machen! Du bestimmst was geht in der bloomstreet Community! JOIN NOW!” – Das ist nun wirklich ein ausgesprochen widerwärtiger und zum Glück total misslungener Versuch, sich mittels Pseudo-Slang einem jugendlichen Publikum anzubiedern.

Mein Favorit ist allerdings: “Video: Pimpe Deine Page mit Videos auf! Egal, ob Musikvideos, eigene Kreationen, Ausschnitte aus Fernsehen und Fil usw., sie machen Deine Page lebendig! Gute Videos findest Du auf diesen Seiten: …”

Programmiert ist das Ganze, wie man liest, mit dem CMS Drupal – das ist wiederum interessant, denn damit pimpen wir in wenigen Wochen unsere Lehrstuhl-Page auf.

Nun gut, mit Bertelsmann im Hintergrund gibt es vielleicht genug Musiklizenzen und Werbepartner, um den Service einigermaßen ans Laufen zu bekommen. Immerhin haben sich knappe 800 Mitglieder in 1 1/2 Tagen angemeldet.

Ich denke nur: mit 15 MedienbildnerInnen hätte man etwas Professionelleres – und Originelleres – auf die Beine gestellt. Ich empfehle derweil (nochmal) Ning und außerdem Twitter: das ist wenigstens mal etwas Neues.

* Etwas Neues haben die Macher von bloomstreet doch hinbekommen:
Bei der Anmeldung sind die AGB wie üblich in einem Scroll-Frame untergebracht. Innovativerweise befindet sich das Bestätigungsfeld im gleichen Frame, ist also nicht sichtbar und wird dem entsprechend auch nicht angekreuzt. Also wird das Formular nicht akzeptiert, Passwörter wieder eingeben, Ursache suchen. Dazu passt auch, dass die Startseite über ein stilisiertes “oo” im Reitermenü erreicht wird, die eigenen Profilseite dafür über den Eintrag “Home”. Interessante Logik, alle Achtung.Schickes Retro-Flair verbreitet der Hinweis “Optimiert für Firefox” – welcome back to the Browserkrieg. Zumindest durch dieses Element unterscheidet sich Bloomstreet von allen anderen mir bekannten Sozialen Netzwerken. … Verdient insgesamt die goldene Himbeere für Usability.