Die Bedeutung kultureller Bildung im Zeitalter der Digitalisierung (Interview FAU-aktuell)

Winterschool-Plakat auf AEGUnsere lang geplante Winterschool startet nun endlich am nächsten Montag. Das Uni-Magazin FAU aktuell hat mich anlässlich dessen interviewt – dabei gute Fragen gestellt und meine Antworten auf ein einigermaßen lesbares Format gebracht. ;-)

Nachgefragt: Die Bedeutung von kultureller Bildung im Zeitalter von Digitalisierung

Youtube-Playlist on (post-) digital transformations of aesthetic/arts/cultural education

On our upcoming winterschool „Spectra of Transformation“, I will hold a workshop about the (post-) digital transformation of (the conditions of) aesthetic and arts education, with special regards to the impacts on our very concepts of arts/aesthetics and education.

I assembled a playlist on youtube wich covers theoretical reflections as well as many practical examples. It should be interesting for everyone involved in the fields of arts education. Click here. If there’s anything interesting missing, please add a comment there.

The Volkswagen Foundation supports our upcoming Winterschool „Spectra of Transformation“

We are very happy to announce that the VolkswagenFoundation informed us today to support our international Winterschool „Spectra of Transformation“, which will take place next February. The program supports events that „aim toward new scientific ideas and research approaches“. It is encouraging to see that the approach developed by us (the team of my chair) – to put an innovative view on Aesthetic, Arts and Cultural Education by focusing on the spectra of transformative dynamics changing the field – finds acknowledgement.

Application is still open until Dec 14th, 2016. For further information visit http://winterschool-spectra.fau.de/ (or get the Flyer).

Zu unserer besonderen Freude haben wir heute erfahren, dass die VolkswagenStiftung unsere im Februar 2017 stattfindende internationale Winterschool „Spectra of Transformation“ fördert. Das Summerschool-Programm der Stiftung unterstützt „Veranstaltungen aller Fachgebiete, die zum Ziel haben, neue wissenschaftliche Ideen und Forschungsansätze zu behandeln“. Damit findet unser (vom Lehrstuhlteam gemeinsam entwickelter) Ansatz, den internationalen Forschungsbereich der Aesthetic, Arts and Cultural Education aus der gebündelten Perspektive zentraler Transformationsdynamiken zu betrachten, Anerkennung. Neben der spannenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung wird die Winterschool ein ebenso spannendes Rahmenprogramm – unter anderem in Kooperation mit dem Filmhaus Nürnberg – bieten.

Eine Anmeldung zur Summer School ist noch bis zum 14.12.2016 möglich. Informationen unter: http://winterschool-spectra.fau.de/. Hier der Flyer.

Tagung „Subjekt – Medium – Bildung“: Programm & Anmeldung online

Das Programm (+ Anmeldeformular) unserer Tagung „Subjekt – Medium – Bildung“ ist nun online (22.-24. März; Kooperation der wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung und des Theorieforums Medienpädagogik der DGfE/der Univ. Magdeburg) !

Die Tagung wird, ihrem Thema und Anliegen entsprechend, nicht nur verbal-argumentative, sondern auch performativ-kunstförmige Beiträge bieten: die theoretische Hinterfragung des Subjekts bedarf solcher Interventionen, die andere Anschlüsse vornehmen und aufzeigen, und die somit verhindern, dass eine das Subjekt hinterfragende Veranstaltung paradoxerweise zu einer permanenten Anrufung des Subjekts, zumal in seiner auf Kognition und Argumentförmigkeit reduzierten Fassung, gerät.

Die Tagung beginnt am 22.3. mit einem Abendvortrag von Manfred Faßler und dem anschließenden Film „Fiction Artists“ von Christoph Girardet und Volker Schreiner. Am Freitag, den 23.3. werden in einem ersten Teil subjekt- und bildungstheoretische Grundpositionen – psychoanalytische, praxeologische, neukantianische – diskutiert, die jeweils aus ihrer Perspektive eine Vorgängigkeit von Subjektivität zugunsten seiner Bezogenheiten hinterfragen (Karl-Josef Pazzini, Norbert Meder, Eckart Liebau). In einem zweiten thematischen Cluster stehen insbesondere Schnittstellen von subjekttheoretischen, medientheoretischen und technikanthropologischen Perspektiven im Zentrum (Benjamin Jörissen, Manuel Zahn, Olaf Sanders), die, wie die Beitragstitel erahnen lassen, Einheit und Grenzen von Subjektivität kritisch fokussieren werden. Eingeflochten sind diverse „Interventionen Kunst“: Gesa Krebber und Konstanze Schütze werden die Beiträge und Themen auf performativer Ebene reflektieren.

Der dritte Tag (Sa., 24.3.) schließt unmittelbar an den vorangehenden Tag an: verhandelt werden Fragen der medialen Subjektkonstruktion vor dem Hintergrund der Transformation klassischer (Lecture) und der Etablierung neuer (Netzwerk) medialer Architekturen. Es schließen drei Beiträge (von Torsten Meyer, Simon Grand/Johannes M. Hedinger und Peter Foos) an, die Subjektivität aus kunstpädagogischer, praxistheoretischer und kunsttheoretischer Perspektive verhandeln – orientiert an Themen des sujets, des Genies und des begriffspolitischen Kräfteverhältnisses von „Subjekt“, „Medium“ und „Bildung“.

Ich bin sehr auf die sich ergebenden Diskussionen und Performanzen gespannt. Allen, die nicht teilnehmen können zum Trost: die Beiträge sollen in schriftlich gebundener Form erscheinen – das jedoch wird mit den zahlreichen medialen und künstlerischen Interventionen nicht möglich sein.

Hier nochmal der Link zu Programm und Anmeldeformular: http://kunst-medien-bildung.de/2012/02/02/tagung-smb/

Tagung „Subjekt – Medium – Bildung“ (cfp)

Ich hatte kürzlich die Ehre, im Rahmen der neu gegründeten Wissenschaftlichen Sozietät „Kunst, Medien, Bildung“ das Konzept der Strukturalen Medienbildung zu erläutern. Die Affinitäten dieser Sozietät zum Magdeburger Theorieforum sind durchaus hoch – beiden geht es aus (einmal eher aus kunstpädagogischer, einmal aus eher allgemeinpädagogisch-medienpädagogischer Perspektive) um eine fundierende theoretische Diskussion der Bedeutung von Medialität im Kontext von Bildung.

Zusammen mit Torsten Meyer (ehemals Uni Hamburg, jetzt Uni Köln) ist in diesem Kontext die Idee entstanden, eine gemeinsame Tagung von Sozietät und Theorieforum zu veranstalten (geplantes Datum: 23./24. März 2012, Uni Köln). Wir beide haben, insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Forschungslandschaft, den Eindruck, dass zunehmend die Transformationen von Subjektivität in sich transformierenden medialen Kontexten und Lebenswelten neue Fragen hinsichtlich des „Subjekts“ von Bildung aufwerfen, und zwar aus unterschiedlichsten Perspektiven. Sinn der Tagung ist es mithin, diesen Fächer an Perspektiven sichtbar zu machen; insofern ist unser „Call for Paper“ nicht zuletzt auch ein „Call for Ideas“.

Hier der CfP als PDF, nachfolgend im Klartext:

 

Tagung in Kooperation der wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung und dem Theorieforum Medienpädagogik

Torsten Meyer / Benjamin Jörissen

23./24. März 2012, Universität zu Köln

Das Tagungsvorhaben befasst sich mit dem zunehmend offensichtlicher werdenden Missmatch von wesentlich auf das 18./19. Jahrhundert zurückgehenden theoretischen Konzeptionen von Bildung, die diese als ein auf das Subjekt als Individuum (und das Individuum als Subjekt) bezogenes Phänomen denken, und den wesentlich auf kollaborativen und netzwerkförmigen sozio-technischen Prozessen beruhenden Bildungs-Praktiken in globalen, digitalen Kommunikationsnetzen.

Veränderte Medialität führt zu veränderter Subjektivität: diese mediologische These im Schnittfeld von Medien- und Bildungsgeschichte(n) soll im Zentrum der Tagung stehen. Nichts ist so gravierend für das Selbst-Verständnis einer Gesellschaft wie die geschäftsführenden Verbreitungsmedien (Luhmann). So war das Buch nicht nur in metaphorischem Sinn das bevorzugte Behältnis der großen Erzählungen. Mit der massenhaften Reproduktion des druckbaren Wissens nahm auch die Erzählung von der „Bildung des Menschen“ (Humboldt) als Bücher lesendes Individuum ihren Lauf. Und auch der Individualisierungsschub, den die Erfindung der Zentralperspektive als Abbildungstechnologie, Symbolische Form (Panofsky) und als imaginäre Struktur ausgelöst hat, war der Entstehung des wohl definierten und autonomen, bürgerlichen Subjekts mehr als zuträglich. Sind es aber die Strukturaspekte gesellschaftlicher Leitmedien, in denen Subjektivität entsteht und geformt wird, muss diese im Kontext radikaler Leitmedienwechsel immer wieder hinterfragt werden.

In der „informatisierten Gesellschaft“ – nun in der Version 2.0 – verliert das alte Prinzip, wonach der Wissenserwerb unauflösbar mit der Bildung des Geistes und der Person verbunden ist, an Bedeutung. Wissen wird zu etwas Äußerlichem, das nicht mehr in, sondern zwischen Köpfen gedacht wird. Es beginnt sich eine neue Form des Verhältnisses zum Wissen zu etablieren, die mit Subjekt-Wissen, Mensch-Wissen, Buch-Wissen, Bibliotheks-Wissen und Schul-Wissen nur noch marginal zu tun hat: Das Subjekt von Bildungsprozessen unter den Bedingungen globaler Vernetzung muss – anders als wir es bislang den bildungstheoretischen Traditionen entsprechend zu denken gewohnt sind – möglicherweise auf das „lernende Netz“ und die sich darin bildenden Communities bezogen werden gedacht werden. In der Folge von „Communities of Practice“ (Wenger) und „Communities of Project“ (Faßler), von „lernenden Gemeinschaften“ und deren „kollektiver Intelligenz“ (Levy) verliert das Individuum als erkenntnistheoretisches Paradigma an Exklusivität zugunsten des Wissen schaffenden Projekts und der sich darum bildenden Community: Mit den Erzählungen von der Aufklärung und der Emanzipation, der Idee vom Fortschritt, dem Diskurs der Wahrheit und der Vorstellung vom Wissen schaffenden Subjekt als kartesischem cogito hat das immer weniger zu tun.

Perspektiven
Ausgehend von diesen Überlegungen soll die Tagung eine Vielfalt von Perspektiven versammeln. Wir sehen dabei etwa folgende thematische Schwerpunkte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit; Ergänzungen im Rahmen des CfP sind sehr willkommen).

Übertragung
Während das bürgerliche Individuum als „starkes Ich“ zum Erziehungs- und Therapieziel der Moderne wurde, kümmert sich Psychoanalyse – ähnlich wie die Kunst – um die mit dieser Form von Subjektivität zusammenhängenden, unaufgelösten und eventuell grundsätzlich unauflösbaren Probleme im Selbst- und Weltverhältnis des imaginären Subjekts der Moderne. Wesentlich dabei ist das Konzept der Übertragung als etwas, das zwischen den individuellen Subjekten entsteht und einen interindividuellen Raum (Pazzini) erzeugt, in dem sich ein sujet supposé savoir (Lacan) bildet, ein unbewusstes Subjekt, das man sowohl als „subject supposed to know“, wie auch als „supposed subject of knowledge“ verstehen kann. Dieses für Bildungsprozesse konstitutive Sujet (als Subjekt und als Inhalt) ist möglicherweise anschlussfähig für die Suche nach einer veränderten Form von Subjektivität.

Bildung der Community, Kollektive Intelligenz, Netzwerke
Kann das „Subjekt des Wissens“ in Zusammenhang gebracht werden mit der „kollektiven Intelligenz“, die sich in den netzbasierten Wissensmanagementsystemen von der Wikipedia bis Twitter praktizierend zeigt? Welche Rolle spielen dabei die (modernen) Subjekte als Lehrende und Lernende? Welchem Subjekt kann das „kollaborative Wissen“ unterstellt werden, das die aktuelle informations- und kommunikationstechnologische Infrastruktur produziert? Kann sinnvoll und Grund legend von „Bildung der Community“ gesprochen werden – so wie (anthropologischen) Grund legend von „Bildung des Menschen“ die Rede war? Wie ist es zu bewerten, wenn Individuen Wissen, Orientierung und Weltbezüge immer mehr im Rahmen digital forcierter sozialer Netzwerke aktualisieren?

Akteure und Aktanten
Wo in guten alten Zeiten von „Vernunft“ und „Verstand“ die Rede war, spricht Pierre Lévy nun von „symbolischen Kollektivintelligenz“, um die Rolle der Technologien und der Institutionen in das menschliche Denken mit einzuschließen. Dabei geht es – mit Latour gesprochen – aber nicht darum, „Subjektivität auf Dinge zu übertragen oder Menschen als Objekte zu behandeln oder Maschinen als soziale Akteure zu betrachten“, sondern die Subjekt-Objekt-Dichotomie zu umgehen und als eine vorübergegangene „Verfassung der Moderne“ (Latour) zu begreifen. Nun haben wir es zu tun mit einem offenen, losen, fraktalen, temporär und projektgebunden konzentriertem Netz von Menschen und technologischen Akteuren. Mit diesem „und“ zwischen Menschen und technologischen Akteuren muss sich Bildungstheorie ebenso wie Bildungspraxis zukünftig sehr intensiv auseinandersetzen.

Sinne
Der mobile, „körpersensible“ Online-Touchscreen ist die vorläufige Quintessenz medientechnologischer Entwicklung. Netzfähige Gadgets machen globale Netzwerke anfassbar; die Dichotomie von nah vs. fern, online vs. offline, symbolisch vs. körperlich ergibt immer weniger Sinn. Was bedeutet es für traditionale Subjektvorstellungen, wenn Fern-Sinne nicht nur immer mehr an Bedeutung gewinnen, sondern mit Distanz- und Nah-Sinnen amalgamieren? McLuhans These der Medien als „Extensionen der Sinne“ unterlief die Vorstellung eines in sich sensologisch geschlossenen Subjektes; Haraways These, wir seien alle Cyborgs, war selten anschaulicher nachvollziehbar als im heutigen Alltagsbild voller „Mensch-Gadget-Web“-Einheiten. Wie kann man Sinnlichkeit und das sinnliche Bildungssubjekt unter diesen Bedingungen denken?

Call for Ideas
Wir möchten diese Fragen im Rahmen einer zweitägigen Tagung mit Ihnen diskutieren. Beiträge aus Wissenschaft und Kunst sind uns hoch willkommen. Bitte senden Sie Ihre Skizzen, Abstracts und Ideen (max. 2 Seiten) bis spätestens bis 31.08.2011 per E-Mail an:

benjamin[at]joerissen.name

Torsten Meyer
Benjamin Jörissen