(Medialität und …) Ästhetik, Design und Netzwerk

Seit einigen Monaten komme ich endlich dazu, seit langem überfällige Themenbereiche zumindest in ersten Ansätzen zu bearbeiten. Sie sind aus medientheoretischer Perspektive Zwischenergebnis eines Klärungsprozesses, der den Fokus von Medien bzw. Medialität auf Bereiche verschiebt, ohne die (v.a. digitale) mediale Phänomene nicht verstanden werden können. Aus allgemeinpädagogischer Perspektive handelt es sich um Phänomenbereiche, die m.E. für ein Verständnis von gegenwärtigen Bildungsprozessen und ihren Bedingungen von ähnlicher Bedeutung sind wie Medialität. „(Medialität und …) Ästhetik, Design und Netzwerk“ weiterlesen

Orientierung in der „Problemwolke mit Nebelbildung“: Sammelband „Schlüsselwerke der Identitätsforschung“

Im VS-Verlag ist vor einigen Tagen unser neuer Einführungsband „Schlüsselwerke der Identitätsforschung“ erschienen. Diese Herausgabe ist meine zweite größere Kooperation mit Jörg Zirfas nach unserem gemeinsamen Buch „Phänomenologien der Identität“ (2007) (und meine dritte Buchpublikation zum Thema; Nr. 1 war meine im Jahr 2000 publizierte Magisterarbeit „Identität und Selbst“ (pdf-Volltext).

Schon lange fehlte es in der Lehrbuchlandschaft an einem solchen Übersichtsband, der die Behandlung des eher monströs ausgreifenden Identitätsbegriffs (nach Odo Marquards klassischer Formulierung  eine „Problemwolke mit Nebelbildung“) in Lehrveranstaltungen erleichtern soll.

Die Grundidee des Sammelbandes, der sich v.a. an Studierende (und interessierte Laien) richtet, ist es, klassische Positionen der Identitätstheorie (des 20. Jahrhunderts) in verständlich abgefassten, jeweils ca. 15-seitigen Kapiteln darzustellen. Wo möglich, wurde dabei ein zentrales Werk herangezogen. Jedes Kapitel bietet eine kurze biographische Rahmung, berücksichtigt Aspekte der Werk- und Wirkungsgeschichte und gibt eine Einschätzung der aktuellen Relevanz des betreffenden Werkes.

Mit dem Ergebnis sind wir beide recht zufrieden. Die Texte sind – soweit ich das als Akademiker noch beurteilen kann ;-) –  ganz überwiegend gut lesbar, und dennoch nicht zu vereinfachend, geraten. Kleiner Wermutstropfen ist die unvermeidbare Frage der Auswahl behandelter AutorInnen: „your mileage may vary“.

Über Rückmeldungen, Kommentare und Fragen zum Band freuen wir uns natürlich sehr (bitte die Kommentarfunktion dieses Blogs verwenden).

Benjamin Jörissen, Jörg Zirfas (Hrsg.):
Schlüsselwerke der Identitätsforschung.
Wiesbaden: VS-Verlag, 2010.
ISBN 978-3531158068
SpringerLink
(Onlinetext aus manchen Uni-Netzen)
Amazon-Link

„Medienbildung – Eine Einführung“ erschienen

Medienbildungsband - CoverNach leichten Startschwierigkeiten bei Amazon und Co. ist unser Band „Medienbildung – Eine Einführung. Theorie – Methoden – Analysen“ nun überall erhältlich.

Über das Medienbildungs-Wiki habe ich ja bereits gebloggt (es entwickelt sich für die Lehre ganz prächtig). Zusammen mit der „Website zum Buch„, die nun auch komplett gelauncht ist und eine ziemliche Menge an zusätzlichen Informationen bietet (neben Glossar, Personenverzeichnis und Linkliste auch laufend eingestreamte aktuelle Informationen etc.), wird der Band mithin von gleich zwei Webseiten flankiert. Das dürfte wohl bisher einzigartig sein – und Winfried Marotzki und ich sind zugegebenermaßen stolz drauf. ;-)

Nun hoffen wir natürlich, dass das Angebot von den LeserInnen – im Sinne des Medienbildungs-Gedankens – auch entsprechend genutzt wird. Lassen wir uns überraschen, ob es nach dem Wiki gelingt, Leben in die „Website zum Buch“ zu bringen. Wir freuen uns, wie im Web 2 so üblich, über jede einzelne Rückmeldung!

p.s. – Auf der Seite strukturale-medienbildung.de ist auch ein „Charity-Link“ zu finden. Man spendet über diesen Link kostenlos (d.h. Amazon führt einige % an Studieren ohne Grenzen ab).

Meine Dissertation "Bild – Medium – Realität" (2004) ist jetzt als Volltext downloadbar

Wo doch gerade alles über OpenAccess redet … meine Dissertation Bild – Medium – Realität. Die Wirklichkeit des Sozialen und die Neuen Medien (Freie Universität Berlin, 2004) ist jetzt als Volltext downloadbar: Link. Ich muss zugeben bzw. warnen, dass der Text doch ziemlich viele Tippfehler etc. enthält, da die Diss. damals in Windeseile fertig gestellt werden musste (aufgrund des Wechsels zur OvGU Magdeburg).
Ich hatte dieses Typoskript vorläufig als Mikrofiche veröffentlicht. Eine verbesserte und überarbeitete Fassung (die in ihrer Gesamtstruktur deutlich lesbarer ist), ist im letzten Jahr im transcript-Verlag erschienen (Link). Der Band wurde im letzten November von keinem Geringerem als Siegfried J. Schmidt in der ZS „Publizistik“ recht wohlwollend rezensiert, worüber ich mich natürlich maßlos gefreut habe … hier der SpringerLink (nix OpenAccess = erfordert ein Abo, ist aus Uni-Netzen aber zumeist erreichbar).

Neues Buch: "Beobachtungen der Realität"

Soeben erschienen:

Jörissen, Benjamin (2007): Beobachtungen der Realität. Die Frage nach der Wirklichkeit im Zeitalter der Neuen Medien. Bielefeld: transcript.

Juli 2007, 282 S., kart., 27,80 €
ISBN: 978-3-89942-586-4

Klappentext:
Seit jeher werden Medienumbrüche von der Sorge vor „Wirklichkeitsverlusten“ begleitet – so auch in den Debatten, die die neuen Medien- und Bildtechnologien betreffen. Doch was verstehen wir eigentlich unter „Wirklichkeit“? Die lässig-postmoderne Auskunft, Wirklichkeit sei ohnehin nur Illusion und Konstruktion, ist sowohl theoretisch als auch (angesichts unserer „virtuellen“ Erfahrungen im Cyberspace) praktisch unbefriedigend. Wie können wir also – nach dem Verlust traditioneller Ontologien – noch über Wirklichkeit sprechen? Das Buch verfolgt diese Frage aus historisch-anthropologischer sowie bildungs- und erkenntnistheoretischer Perspektive.

Es geht in dieser überarbeiteten Fassung meiner Dissertation primär darum, die Frage bzw. „das Fragen“ nach der Realität selbst zu hinterfragen (und nicht etwa darum, diese Frage aufzuwerfen – das ist (mindestens) im ganzen letzten Jahrhundert schon reichhaltig geschehen und wäre nicht sehr originell).

Die Frage nach „derealisierenden“ Effekten von Bildern und Medien ist ja bereits sehr alt (die These ist ja bereits bei Platon zu finden, was im ersten Kap. rekonstruiert wird). Angesichts der zunehmenden Bedeutung der „Virtualitätslagerung“ (Marotzki), von der wir kürzlich (Second Life) einen weiteren Vorgeschmack erhalten haben (meine Einschätzung; s. auch das vorangehende Posting zum Metaverse Roadmap Project), ist diese Frage, auch wenn sie ontologisch naiv gestellt wird, als Sorge durchaus nicht unberechtigt. Denn ein Verlust von „Realitätskontakt“ ginge zwangläufig mit hochproblematischen Erfahrungsverlusten und entsprechenden kulturellen und sozialen Folgeerscheinungen einher.

Wie aber soll man dies angesichts der „Krise der Repräsentation“, die uns postmodernes und konstruktivistisches Denken (glücklicher- weil befreienderweise) beschert haben, noch beurteilen?

Die Arbeit plädiert für ein anti- oder „post-repräsentationalistisches“ Verständnis von „Realität“, die, vereinfacht gesagt, in der Möglichkeit der Erfahrung von Alterität (von Anderen/Anderem) liegt. Im Vermittlungsfeld einer (systemthoeretisch inspirierten) „Beobachtertheorie“, einer „verkörperten“ Erkenntnisanthropologie sowie einer kritischen Relektüre der „Philosophie der Sozialität“ des späten George Herbert Mead wird ein komplexes Modell von „Realität“ sichtbar, das diese als das Korrelat eines situativen, „emergenten“ Zusammenhangs von Beobachtern vorstellt.

Genau dies aber ist nun nicht mehr an vermeintlichen „Realitäten“ festgemacht, wie etwa Dingen und „Körpern“ (die als Objekte nämlich immer auch Konstrukte sind). „Medial vermittelte“ Sozialität wird somit aus erkenntnisanthropologischer Perspektive der vermeintlich unvermittelten „empirischen“ Realität vergleichbar gemacht, was die Chancen auf „Realitätskontakt“ angeht. Die Bildungsrelevanz medialer und virtueller Welten wird somit anthropologisch untermauert.

Der letzte Punkt des Resümees (S. 253):
„In den Neuen Medien entstehen neue Formen des Sozialen. Die neuen, interaktiven Bilder folgen nicht einer schlichten Logik der Abbildung, Repräsentation oder Simulation: vielmehr gehören sie einer Ordnung des sozialen Ereignisses an. Bilder ermöglichen in den Neuen Medien die Entstehung von dichten, emergenten sozialen Situationen. Sie ermöglichen ludische und rituelle Umbestimmtheitsräume, in denen Prozesse der Distinktion und der Gemeinschaftsbildung, der Habitualisierung, Sozialisation und wesentlich auch visuell vermittelter Bildungerfahrungen ermöglicht werden.

Nicht nur sind pauschale Derealisierungsbefürchtungen angesichts dieser Sachlage zurückzuweisen. Aus der Sicht einer antirepräsentationalistischen, beobachtungstheoretisch reflektierten Auffassung von Realität kann festgestellt werden, dass die Neuen Medien durchaus neue Kulturräume für »reale« soziale Situationen bereitstellen: erstens im Sinne des Umstands, dass die Aktionen und Vollzüge in virtuellen Räumen als solche soziale Handlungsrealitäten konstituieren (sind es virtuelle, so sind es daher keine »falschen realen«, sondern »wahre virtuelle« Vollzüge); zweitens im Sinne der entstehenden emergenten sozialen Situationen, in denen sich Gemeinschaften aufführen und – wie im gemeinsamen Mannschaftsspiel – bewähren; drittens schließlich in den Erfahrungsmöglichkeiten von Alterität, die in den tentativen Spiel- und Freiräumen der Neuen Medien neue Formen des Selbst- und Weltentwurfs ermöglichen und befördern.“

Weitere Informationen, Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: http://www.transcript-verlag.de/ts586/ts586.htm

Studierende erhalten auf Anfrage wie immer die Möglichkeit, ein vergünstigtes Autorenexemplar zum Selbstkostenpreis zu erwerben.