Social Learning Summit 08 – Rückschau

Üblicherweise blogge ich nicht über Vorträge und Konferenzen, weil es zumeist Fachveranstaltungen sind und m.W. Kollegen aus der Bildungs- und Erziehungswissenschaft hier nicht mitlesen. Diese Veranstaltung aber war mal etwas anderes. Am 10. Oktober fand der erste Social Learning Summit statt, auf dem ich die Ehre hatte, die erste von zwei Keynotes zu halten. Die Veranstaltung wurde von der BerlinMediaProfessionalSchool (gehört zur FU Berlin) gemeinsam mit scoyo ausgerichtet. Letzteres ist ein Bertelsmann-Unternehmen, das derzeit mit (sehr) hohem finanziellen Aufwand ein kommerzielles Online-eLearningsystem herstellt, welches in wenigen Wochen gelauncht wird. Ziel der Veranstaltung war die Exploration und Diskussion zukunftsorientierter Lern- und Bildungssettings; mehr dazu im Folgenden.

Update: Auf Slideshare ist der Vortrag nun als Slidecast eingestellt (Vortragsaudio mit Präsentationsfolien synchronisiert).

„Game Floor“

Als sehr gelungen empfand ich das in „Game Floor“, „Brain Floor“ und „Community Floor“ unterteilte Programm. Der „Game Floor“ am Vormittag bot Gelegenheit, die scoyo-Software (zumindest einige der über 3000 Lernmodule) in Aktion zu sehen. Eine muntere Horde ca. 10-12-Jähriger war eingeladen, so dass man die Software direkt im Erstkontakt mit ihrer Zielgruppe kennenlernen konnte. – Das ist mutig, immerhin ist nicht vorhersehbar, ob die Kids mit dem System zurechtkommen (allerdings arbeitet scoyo, wie ich erfahren konnte, bei der Entwicklung des Systems sinnvollerweise in engem Kontakt mit Kindern; insofern waren Usability-Probleme nicht mehr zu erwarten).

SKS08 - Game Floor

(Alle Fotos aus scoyos flickr-Stream)

„Brain Floor“

Der „Brain Floor“ am Nachmittag bestand aus zwei Panels; das Publikum setzte sich aus Fachleuten aus Forschung, Praxis (Lehrer) und erfreulicherweise auch Politik (zumindest Brandenburger waren da; Berliner habe ich nicht gesehen) zusammen.

Das erste Panel zum breit angelegten Thema „Zukunft Bildung in der digitalen Erlebnisgesellschaft“ hatte die Funktion, eine bildungswissenschaftlich fundierte Zeitdiagnose (und darauf basierend einen „educated guess“ hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen) vorzunehmen. Dass dabei offenbar unser Magdeburger Ansatz der Medienbildung gefragt war, ist außerordentlich erfreulich; er passt allerdings auch sehr gut zum Thema des Panels: Einerseits arbeiten wir in einem recht breiten, zeitdiagnostisch orientierten (kultur- und sozialwissenschaftlichen) Theorierahmen, andererseits bringt unsere Fokussierung auf Potenziale neuer Medien per se einen Zukunftsbezug mit sich. 1)Da uns gerne vorgeworfen wird, dabei den Ist-Zustand auszublenden – die medienpädagogische Basisarbeit also – ist an dieser Stelle vielleicht die Anmerkung angebracht, dass aus unserer Sicht ein Ist-Zustand nur im Horizont der kommenden Entwicklungen adäquat einzuschätzen ist. Wenn man gegenwärtigen Problemen immer nur hinterherhechelt, als realpolitisch-pädagogischer Feuerlöscher sozusagen, wird man diesen Horizont nur beschränkt in den Blick bekommen. Es kommt letztlich auf eine ausgewogene Mischung an. Die Folien und ein erweitertes Handout dazu sind hier zu finden.

SLS08 - Panel 1

„Brain Floor“ II bot eine schwungvoll, aber vollkommen theoriefrei gehaltene Keynote zum Thema „Learning by Gaming“ von Marc Prensky. Prensky listete unendlich viele Beispiele für den Einsatz von Computerspielen im Lernsettings auf; dabei käme es auf die Komplexität der Spiele an, so Prensky. Das ist aus unserer Perspektive sehr gut nachvollziehbar; allerdings verzichtete Prensky darauf zu erklären, wie er sich eine solche Komplexität vorstellt (eher auf der narrativen oder auf der ludischen Ebene, oder beides?), wie ein angemessenes Maß an Komplexität erkennbar sein soll etc. Dennoch ein schöner Vortrag, insgesamt, der v.a. von einer lebendigeren Panel-Diskussion abgerundet wurde als meine Keynote. Deren Diskussionsbeiträge nämlich waren zwar überwiegend ausgesprochen gehaltvoll, mit teilweise bis zu (gefühlten) 10 Minuten Monologlänge jedoch nicht wirklich an einer Diskussion interessiert (s. auch das Resümee u.a. zur SLS08 auf media-ocean.de). So blieb (mir jedenfalls) keine Gelegenheit, wichtige aufgeworfene Fragen zu klären.

Hier ein Interview mit Prensky von der SLS08. Prenskys steile These: „The Classroom is dead„. Naja, die Sache mit dem Kind und dem Bade …

SLS08 - Panel 2

„Community Floor“

Der „Community Floor“ war von einem exzellenten Catering, guter Musik und einer sehr angenehmen und auch angeregten Atmosphäre geprägt – gerade die richtige Umgebung zum „Networking“. Dass die Social Learning Summit ein sehr spannendes Publikum angezogen hat, wurde schon bei den ersten ausgetauschten Visitenkarten deutlich. – Es dürften sich noch einige interessante Kooperationen daraus entwickeln. Die ganze Veranstaltung war wirklich perfekt choreographiert und durchgeführt. Vorbildlich professionell, was nicht nur an den reichlich vorhandenen finanziellen Ressourcen, sondern v.a. am Geschick der Veranstalter und des Orga-Teams lag, denen an dieser Stelle noch einmal nachdrücklich und herzlich für die Einladung gedankt sei. Man darf gespannt sein, denn es geht im nächsten Jahr mit dem Social Learning Summit 09 weiter.

References   [ + ]

1. Da uns gerne vorgeworfen wird, dabei den Ist-Zustand auszublenden – die medienpädagogische Basisarbeit also – ist an dieser Stelle vielleicht die Anmerkung angebracht, dass aus unserer Sicht ein Ist-Zustand nur im Horizont der kommenden Entwicklungen adäquat einzuschätzen ist. Wenn man gegenwärtigen Problemen immer nur hinterherhechelt, als realpolitisch-pädagogischer Feuerlöscher sozusagen, wird man diesen Horizont nur beschränkt in den Blick bekommen. Es kommt letztlich auf eine ausgewogene Mischung an.

Autor: Benjamin Jörissen

Prof. Dr. Benjamin Jörissen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung.

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